Prüfbericht über Ekrem İmamoğlus gefälschtes Diplom ist aufgetaucht

Der Bericht, den die Istanbuler Universität (IU) über die Annullierung der Diplome von 28 Personen, darunter auch Ekrem İmamoğlu, dem Präsidenten der Istanbuler Stadtverwaltung (IBB), erstellt hat, ist nun öffentlich geworden. Inmitten dieser aufsehenerregenden Enthüllung dauern die Ermittlungen der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft an, die sich mit den Vorwürfen befassen, dass İmamoğlus Abschlusszeugnis manipuliert worden sei.

Im Zuge dieser Untersuchungen wurde der Prüfungsbericht, den ein dreiköpfiges Komitee der Universität auf Antrag der Staatsanwaltschaft angefertigt hatte, nun finalisiert. Der Bericht führt detailliert aus, dass auf der Sitzung des Verwaltungsrats der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der IU am 27. Juni 1990 beschlossen wurde, 55 Studierende für das Studienjahr 1990-1991 weiterzuleiten. Dies betraf 15 Studierende für das zweite Jahr des türkischen Studiengangs, 10 für das dritte Jahr, 10 für das vierte Jahr sowie 10 für das zweite Jahr des englischen Studiengangs. Ebenso wurden 5 Studierende ins dritte Jahr und 5 ins vierte Jahr der englischen Abteilung versetzt.

Die erste Unregelmäßigkeit – eine irreführende Anzeige

Der Prüfbericht, der eine Anzeige der Istanbuler Universität vom 30. Juli 1990 in der Zeitung Milliyet beinhaltete, deckt eine auffällige Diskrepanz auf. In dieser Anzeige wurde zunächst eine Quote von 60 Studierenden genannt, jedoch konnte nicht nachvollzogen werden, zu welchem Zeitpunkt oder durch welche Instanz diese Zahl erhöht wurde. Es wurde später festgestellt, dass der Verwaltungsrat am 12. September 1990 die Zahl auf 80 Studierende anhebt, ohne die festgelegte Frist des 14. September 1990 zu berücksichtigen.

Die Quote für den englischen BWL-Studiengang wurde daraufhin auf 48 erhöht, während die Quoten für das dritte und vierte Jahr auf null gesetzt und die Quoten für den türkischen BWL-Studiengang neu aufgeteilt wurden: 18 für das zweite Jahr (davon 2 aus dem Ausland), 8 für das dritte und 6 für das vierte Jahr.

Unklarheiten und fragwürdige Vorgänge

In der detaillierten Analyse des Berichts wird zudem festgestellt, dass es unklar ist, wie viele Studierende sich tatsächlich für einen Wechsel beworben haben. Ebenso fehlen konkrete Informationen darüber, wie viele Bewerbungen abgelehnt wurden und welche Gründe zu dieser Ablehnung geführt haben könnten. Ein weiteres bemerkenswertes Detail betrifft die Sitzung des Verwaltungsrats der Fakultät für Betriebswirtschaft, die am 19. September 1990 stattfand. Hier wurde dokumentiert, dass nur drei von sieben Mitgliedern des Verwaltungsrats das Protokoll unterschrieben haben, während die übrigen vier lediglich die Anwesenheitsliste unterschrieben.

Manipulation und unrechtmäßige Änderungen

Der Bericht deckt auch andere unregelmäßige Vorgänge auf: Es wurde festgestellt, dass in einem Protokoll des Verwaltungsrats vom 12. September 1990 die Namen „Alper Tunga“ und „Hakan Başaran“ mit einer anderen Schriftart und -größe eingetragen wurden, um sie in dieselbe Zeile wie andere Namen zu setzen. Ebenso wurde der Name „Yelda Eryaman“ mit einer anderen Schriftgröße hinzugefügt, was den Anschein erweckt, dass dieser Eintrag nachträglich vorgenommen wurde. Auch die Gründe für diese nachträglichen Änderungen bleiben unklar.

Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Quoten ohne offizielle Bekanntmachung auf insgesamt 100 Studierende erhöht wurden, ohne das Rektorat zu informieren oder ordnungsgemäß den festgelegten Verfahren zu folgen. Die Ermittler stellten außerdem fest, dass eine Vielzahl von Anträgen zugelassen wurde, die die in der Verordnung festgelegten Bedingungen nicht erfüllten.

Unregelmäßige Versetzungsverfahren und die Rolle von Ekrem İmamoğlu

In Bezug auf die Versetzungsverfahren wurde festgestellt, dass auch Studierende, die nicht alle erforderlichen Kriterien erfüllten, ohne Weiteres in das neue Studienprogramm aufgenommen wurden. Eine der wichtigsten Feststellungen des Berichts war, dass Ekrem İmamoğlu, der später als Bürgermeister der Istanbuler Stadtverwaltung bekannt wurde, fälschlicherweise als Student der Östlichen Mittelmeeruniversität in das offizielle Register aufgenommen wurde, obwohl er laut den Unterlagen als Studierender der Universität Nordzypern geführt wurde.

Der Bericht geht weiter, indem er mehrere Unregelmäßigkeiten im Umgang mit den Anträgen von Studierenden dokumentiert, die sich für den Wechsel in den englischen Studiengang „Betriebswirtschaftslehre“ beworben hatten. Unter anderem wurde festgestellt, dass viele dieser Studierenden keinerlei Nachweise darüber vorlegen konnten, für welche Quote sie sich beworben hatten oder ob sie überhaupt eine Sprachprüfung abgelegt hatten.

Ein besorgniserregendes Netzwerk von Einfluss und unrechtmäßigen Vorteilen

Besonders auffällig ist die Rolle von Prof. Dr. Ersin Güredin, einem Prodekan der Fakultät für Betriebswirtschaft der IU. Der Bericht dokumentiert, dass er durch seinen familiären Einfluss und seine akademischen Verbindungen das System zu seinem Vorteil nutzte, indem er als „akademisch beurlaubt“ galt, um Kontakte in der Türkischen Republik Nordzypern zu knüpfen. Diese Verbindungen führten letztlich dazu, dass sein Sohn, Necati Eren Güredin, von dieser unrechtmäßigen Behandlung profitierte und fälschlicherweise als Student der Östlichen Mittelmeeruniversität eingetragen wurde, obwohl er seinen Abschluss an der Universität Nordzypern gemacht hatte.

Schlussfolgerungen und rechtliche Konsequenzen

Der Bericht zieht schließlich die Schlussfolgerung, dass die verantwortlichen Mitglieder der Fakultät und der Transferkommission, darunter prominente Professoren und Fakultätsmitglieder, rechtlich zur Verantwortung gezogen werden müssen. Es wurde festgestellt, dass die fehlerhaften Praktiken bei der Vergabe der Versetzungen und der Verwaltung der Quoten durch die verantwortlichen Akteure, einschließlich Ekrem İmamoğlu, zu einem System von Unregelmäßigkeiten und möglicherweise auch kriminellen Handlungen geführt haben.

Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft hat im Rahmen ihrer Ermittlungen wegen „Urkundenfälschung“ ein offizielles Schreiben an die Istanbuler Universität gesandt, in dem die Fälschung von Ekrem İmamoğlus Diplom bestätigt wird. Die Universität selbst gab später bekannt, dass die Diplome von 28 betroffenen Personen, darunter auch das von İmamoğlu, aufgrund von „Abwesenheit“ und „eindeutigen Fehlern“ für ungültig erklärt wurden.

Die rechtlichen und politischen Konsequenzen dieser Ermittlungen sind noch nicht absehbar, doch die Ergebnisse des Prüfberichts werfen einen düsteren Schatten auf das akademische und politische Netzwerk rund um Ekrem İmamoğlu.

von Dilek Poyraz

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