Deutschland finanzierte heimlich Israels Atomprogramm

Ein aktueller Bericht der israelischen Zeitung Haaretz sorgt für Aufsehen: Demnach soll die Bundesrepublik Deutschland in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren erhebliche finanzielle Mittel für Projekte in Israel bereitgestellt haben – möglicherweise auch für dessen Nuklearprogramm.

Vertrauliche Absprachen auf höchster Ebene

Ausgangspunkt der mutmaßlichen Unterstützung waren laut Bericht geheime Gespräche zwischen dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Israels Premierminister David Ben-Gurion. Diese Treffen sollen Anfang der 1960er-Jahre in New York stattgefunden haben.

Ziel sei es gewesen, finanzielle Hilfe für Israel zu organisieren – ursprünglich wohl unter Beteiligung privater Geldgeber. Letztlich sollen jedoch große Teile der Mittel aus deutschen Steuergeldern geflossen sein.

Millionenbeträge über geheime Kanäle

Zwischen 1961 und 1973 habe die Bundesregierung laut „Haaretz“ jährlich bis zu 160 Millionen D-Mark bereitgestellt. Die Zahlungen seien offiziell als Unterstützung zur „Erschließung des Negev“ deklariert worden, jedoch über verdeckte Wege erfolgt – ohne öffentliche Debatte oder parlamentarische Kontrolle.

Allein in den ersten Jahren bis 1965 seien rund 629 Millionen D-Mark überwiesen worden. Auch unter Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard seien die Zahlungen fortgeführt worden.

Zusammenhang mit historischem Prozess?

Der Bericht stellt zudem einen möglichen Zusammenhang mit dem Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann her, der 1961 in Israel stattfand. Demnach habe man befürchtet, dass durch das Verfahren auch ehemalige NS-belastete Personen in der deutschen Regierung stärker in den Fokus geraten könnten, darunter Staatssekretär Hans Globke.

Ob dies die Modalitäten der Zahlungen beeinflusste, bleibt jedoch spekulativ.

Unterstützung für das Nuklearprogramm?

Einen direkten Beweis dafür, dass die deutschen Gelder konkret in das israelische Atomprogramm flossen, gibt es laut Bericht nicht. Dennoch hält „Haaretz“ es für wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil der Mittel der Nuklearforschung zugutekam.

Im Zentrum der Spekulationen steht das Kernforschungszentrum nahe Dimona in der Negev-Wüste – ein streng geheimes Projekt, das international seit langem mit Israels Nuklearfähigkeit in Verbindung gebracht wird.

Rückzahlung offenbar später aufgehoben

Ursprünglich sollen die Zahlungen als rückzahlbare Hilfen konzipiert gewesen sein. Eine Vereinbarung aus dem Jahr 1989 habe diese Verpflichtung jedoch faktisch aufgehoben, sodass die Gelder letztlich nicht zurückgeführt wurden.

Einordnung: Sensibles Kapitel deutsch-israelischer Beziehungen

Der Bericht beleuchtet ein bislang wenig transparentes Kapitel der deutsch-israelischen Beziehungen. Sollte sich die Darstellung bestätigen, würde dies neue Fragen zur Rolle der Bundesrepublik beim Aufbau strategischer Kapazitäten Israels aufwerfen.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass es sich um Recherchen eines Mediums handelt – eine unabhängige Bestätigung der genauen Verwendung der Mittel steht bislang aus.

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