Die Hoffnungen waren riesig. Nach Jahren der WM-Abstinenz reiste die türkische Nationalmannschaft mit einer jungen, talentierten Generation voller Selbstvertrauen in die USA. Doch nach dem zweiten Gruppenspiel steht die Türkei mit dem Rücken zur Wand. Die 0:1-Niederlage gegen Paraguay könnte bereits das vorzeitige Aus im Turnier bedeuten – und möglicherweise auch das Ende von Trainer Vincenzo Montella.
Schockstart nach nur 65 Sekunden
Die Partie im Levi’s Stadium von Santa Clara begann für die Türkei denkbar schlecht. Bereits nach etwas mehr als einer Minute traf Matías Galarza zur paraguayischen Führung. Die türkische Defensive wirkte in dieser Szene unsortiert und wurde eiskalt bestraft.
Anschließend übernahm die Türkei zwar die Kontrolle über das Spiel, konnte ihre Überlegenheit jedoch nicht in Tore ummünzen.
Paraguay kämpft mit zehn Mann – Türkei ohne Antwort
Besonders bitter aus türkischer Sicht: Paraguay musste praktisch die gesamte zweite Halbzeit in Unterzahl spielen. Miguel Almirón sah kurz vor der Pause die Rote Karte nach einer VAR-Überprüfung. Die ungewöhnliche Entscheidung sorgte weltweit für Diskussionen.
Trotz eines Mannes mehr auf dem Platz gelang es der Türkei nicht, den Ausgleich zu erzielen. Über 70 Prozent Ballbesitz, zahlreiche Abschlüsse und mehrere gefährliche Standards blieben ohne Erfolg. Selbst Innenverteidiger Merih Demiral wurde in der Schlussphase nach vorne beordert, um zusätzlichen Druck aufzubauen. Doch Paraguay verteidigte leidenschaftlich und brachte die Führung über die Zeit.
Die Aufstellungen
Türkei
Uğurcan Çakır – Mert Müldür, Merih Demiral, Abdülkerim Bardakcı, Ferdi Kadıoğlu – Hakan Çalhanoğlu, İsmail Yüksek – Arda Güler, Kenan Yıldız, Kerem Aktürkoğlu – Barış Alper Yılmaz.
Paraguay
Orlando Gill – Gustavo Gómez und Co. – Miguel Almirón, Julio Enciso, Matías Galarza, Isidro Pitta.
Experten kritisieren Chancenverwertung
Viele Experten sehen die größte Schwäche der türkischen Mannschaft nicht in der Defensive, sondern im Abschluss. Gegen Australien fehlte die Durchschlagskraft, gegen Paraguay wiederholte sich das gleiche Bild.
Die Mannschaft erspielte sich Chancen, doch im letzten Drittel fehlten Präzision, Ruhe und Effizienz. Die hochgelobten Offensivspieler Arda Güler, Kenan Yıldız und Kerem Aktürkoğlu konnten dem Spiel diesmal nicht ihren Stempel aufdrücken.
Montella unter Druck
Bereits vor dem Spiel hatte Vincenzo Montella die Kritik aus der Heimat scharf zurückgewiesen und mehr Respekt für die Leistungen seiner Mannschaft gefordert. Nach der zweiten Niederlage in Folge dürfte der Druck jedoch massiv ansteigen.
In türkischen Medien wird bereits diskutiert, ob der italienische Trainer nach dem Turnier seinen Rücktritt erklären oder vom Verband getrennt werden könnte. Offiziell gibt es dafür bislang keine Hinweise, doch die Stimmung hat sich deutlich verschlechtert.
Vom Geheimfavoriten zum Krisenteam?
Vor der WM wurde die Türkei von vielen Beobachtern als möglicher Überraschungskandidat gehandelt. Die goldene Generation um Arda Güler, Kenan Yıldız, Hakan Çalhanoğlu, Ferdi Kadıoğlu und Merih Demiral sollte die Nation zurück auf die große Fußballbühne führen.
Nach zwei Spielen steht jedoch die ernüchternde Bilanz: zwei Niederlagen, kein Punkt und enorme Zweifel an der sportlichen Zukunft des Teams.
Die Hoffnung lebt – aber nur noch ganz schwach
Rechnerisch ist die Türkei noch nicht ausgeschieden. Allerdings ist die Ausgangslage vor dem letzten Gruppenspiel äußerst schwierig. Nun ist die Mannschaft nicht nur auf einen eigenen Sieg angewiesen, sondern muss auch auf günstige Ergebnisse der Konkurrenz hoffen.
Eines steht bereits fest: Die Euphorie, mit der die Türkei in die WM 2026 gestartet war, ist nach dem 0:1 gegen Paraguay einer tiefen Enttäuschung gewichen. Die Frage lautet nun nicht mehr, wie weit diese Mannschaft kommen kann – sondern ob sie überhaupt noch eine Zukunft in diesem Turnier hat.
