Personalmangel, fehlende Betten und blockierte Verlegungen belasten die Notfallversorgung. Eine bundesweite Untersuchung zeigt: Fast jede zweite befragte Notaufnahme meldete Überlastung. Die geplante Notfallreform soll Entlastung bringen.
In Deutschlands Notaufnahmen verschärfen sich die Versorgungsprobleme. Bei einer bundesweiten Befragung berichteten 45 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen, am untersuchten Tag mindestens zwei Stunden überlastet gewesen zu sein. 8,1 Prozent meldeten eine schwere, weitere 5,5 Prozent eine kritische Überlastung.
In solchen Situationen kann die Versorgung entsprechend den individuellen Bedürfnissen der Patienten erheblich eingeschränkt sein. Martin Pin, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin, warnt vor Risiken für die Patientensicherheit. Internationale Untersuchungen zeigen, dass starke Überfüllung die sichere Behandlung gefährden kann. Viele Einrichtungen berichteten zudem, ihre Lage habe sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate weiter verschlechtert.
Patienten bleiben in der Notaufnahme liegen
Ein zentraler Engpass entsteht nach Abschluss der akuten Behandlung: Patienten benötigen eine stationäre Aufnahme, können jedoch nicht zeitnah auf eine geeignete Station verlegt werden. Fehlende Betten und begrenzte Kapazitäten führen dazu, dass sie weiter Plätze in der Notaufnahme belegen.
Diesen sogenannten „Exit Block“ meldeten 60,6 Prozent der befragten Einrichtungen. Dadurch fehlen Behandlungsplätze für neu eintreffende Patienten, während das Personal gleichzeitig bereits behandelte Menschen weiter betreuen muss.
Auch die Personaldecke ist angespannt. Rund zwei Drittel der Einrichtungen berichteten von offenen Stellen im ärztlichen Dienst oder in der Pflege. Nur etwa ein Drittel bewertete die jeweilige Personalausstattung als ausreichend.
Trotz ausgeschöpfter Kapazitäten kommen weitere Patienten
Zusätzliche Ergebnisse verdeutlichen den Druck: 32,1 Prozent der Notaufnahmen meldeten ihrer zuständigen Leitstelle ausgeschöpfte Kapazitäten. Von diesen Einrichtungen erhielten dennoch 79,1 Prozent weitere Notfallpatienten.
Besonders betroffen waren Krankenhäuser der höchsten Notfallversorgungsstufe. Dort berichteten 61,9 Prozent von Überlastung und 77,4 Prozent von blockierten Verlegungen.
Die im September veröffentlichten Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von 271 Notaufnahmen aus allen 16 Bundesländern am 2. Juni 2026. Diese Einrichtungen versorgten 2025 zusammen rund 8,5 Millionen Notfallkontakte. Die Erhebung liefert ein breites Lagebild, bildet allerdings einen einzelnen Untersuchungstag ab. Die Quote von 45 Prozent bezieht sich auf die teilnehmenden Einrichtungen.
Notfallreform soll Versorgung besser koordinieren
Die Bundesregierung will den ärztlichen Bereitschaftsdienst, die Notaufnahmen und den Rettungsdienst enger miteinander vernetzen. Vorgesehen sind integrierte Notfallzentren, eine bessere Zusammenarbeit der Rufnummern 112 und 116117 sowie strukturierte Ersteinschätzungen. Patienten sollen dadurch schneller zur passenden Behandlung gelangen.
Das Bundeskabinett beschloss den Entwurf im April; im September beschäftigte sich der Gesundheitsausschuss mit der Reform. Die vorgesehenen Maßnahmen sollen unnötige Wege und vermeidbare Belastungen reduzieren. Die Umfrage zeigt zugleich, dass eine bessere Patientensteuerung allein die Engpässe nicht beseitigt: Für eine dauerhaft sichere Versorgung braucht es auch ausreichend Personal und verfügbare Kapazitäten auf den Krankenhausstationen.

