
Der Name Espen Eskas sorgt im türkischen Fußball inzwischen regelmäßig für Diskussionen. Nach dem Champions-League-Spiel zwischen Sporting Lissabon und Galatasaray steht der norwegische Schiedsrichter erneut massiv in der Kritik. Dabei geht es längst nicht mehr um eine einzelne Entscheidung. Galatasaray und Fenerbahçe haben mit Eskas in wichtigen Europapokalspielen Erfahrungen gemacht, die bei Spielern, Trainern und Fans erhebliche Zweifel an seinen Leistungen hinterlassen haben.
Sporting – Galatasaray: Wieder Eskas, wieder Diskussionen
Galatasaray verlor zum Auftakt der Champions League mit 1:3 bei Sporting. Im Mittelpunkt stand anschließend nicht nur das Ergebnis, sondern erneut Schiedsrichter Espen Eskas.
Besonders zwei Szenen sorgten für Empörung: Nach einer harten Aktion von Sporting-Spieler Altimira gegen Batrakov zeigte Eskas lediglich Gelb, obwohl Galatasaray Rot forderte. Später entschied der Norweger auf Strafstoß für Sporting. Galatasaray-Trainer Okan Buruk bezeichnete den Elfmeter nach dem Spiel als nicht gerechtfertigt und warf dem Schiedsrichter vor, mit der nicht gegebenen Roten Karte und dem Strafstoß unmittelbar Einfluss auf das Spiel genommen zu haben.
Auch der VAR griff in beiden Situationen nicht entscheidend ein.
Rangers – Fenerbahçe: Vier strittige Strafraumszenen
Bereits im März 2025 stand Eskas beim Europa-League-Rückspiel Rangers gegen Fenerbahçe massiv in der Kritik.
Fenerbahçe gewann das Spiel nach 120 Minuten zwar mit 2:0, schied anschließend jedoch im Elfmeterschießen aus. Während der Partie reklamierte die türkische Mannschaft gleich in mehreren Situationen einen Strafstoß.
Diskutiert wurden unter anderem ein Zweikampf gegen Talisca, ein mögliches Handspiel nach einer Aktion von En-Nesyri, ein weiteres Handspiel nach einem Schuss von Kostic sowie eine Szene mit Mert Hakan Yandaş in der Verlängerung. Eskas entschied jedes Mal gegen einen Strafstoß. Auch nach VAR-Überprüfungen blieb es bei diesen Entscheidungen.
Die Proteste waren entsprechend heftig. Auch José Mourinho und die Fenerbahçe-Bank gerieten mit dem Schiedsrichtergespann aneinander.
Galatasaray – Young Boys: Nach wenigen Sekunden beginnt die Diskussion
Noch früher hatte Galatasaray eine äußerst unangenehme Erfahrung mit Eskas gemacht.
Im Champions-League-Play-off-Rückspiel gegen Young Boys im August 2024 kam Mauro Icardi bereits unmittelbar nach Spielbeginn nach einem Zweikampf mit Zoukrou zu Fall. Galatasaray forderte einen Strafstoß. Eskas ließ weiterspielen.
Auch ehemalige Schiedsrichter kritisierten die Szene später und vertraten die Auffassung, dass die Aktion spätestens innerhalb des Strafraums als Foul und damit als Elfmeter hätte bewertet werden können.
Young Boys gewann schließlich 1:0 und eliminierte Galatasaray mit insgesamt 4:2 aus der Champions League.
Kurz nach dem entscheidenden Treffer sah Galatasaray-Torwart Fernando Muslera zudem Rot. Auch diese Begegnung blieb deshalb bei vielen Galatasaray-Anhängern als äußerst negatives Kapitel mit Eskas in Erinnerung.
Auch Qarabağ gegen Newcastle sorgt für Kritik
Eskas geriet im Februar 2026 auch beim Champions-League-Spiel Qarabağ gegen Newcastle United in die Diskussion.
Qarabağ verlor in Baku deutlich mit 1:6. Besonders ein gegen die Gastgeber verhängter Strafstoß sorgte in Aserbaidschan für Kritik. Der frühere FIFA-Schiedsrichter Tahir Süleymanov erklärte anschließend, Eskas’ Leistung habe aus seiner Sicht nicht dem Niveau eines Champions-League-Play-offs entsprochen.
Dabei muss allerdings fair festgehalten werden: Angesichts des deutlichen Ergebnisses lässt sich die Niederlage Qarabağs nicht seriös allein auf den Schiedsrichter reduzieren.
Zufall oder problematische Serie?
Genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.
Galatasaray gegen Young Boys: strittige Icardi-Szene und später Rot gegen Muslera.
Rangers gegen Fenerbahçe: mehrere umstrittene Strafraumszenen ohne Elfmeter für Fenerbahçe.
Qarabağ gegen Newcastle: Kritik an wichtigen Entscheidungen und einem Strafstoß.
Sporting gegen Galatasaray: Galatasaray fordert Rot für Sporting, anschließend erhält Sporting einen von Okan Buruk scharf kritisierten Elfmeter.
Jede einzelne Entscheidung kann regeltechnisch unterschiedlich bewertet werden. Zusammengenommen entsteht aus türkischer Sicht jedoch ein Bild, das zwangsläufig Fragen aufwirft.
Ist Eskas gegen türkische Mannschaften voreingenommen?
Der Vorwurf, Eskas sei ein „Türkenfeind“, ist äußerst schwerwiegend. Einen belastbaren Beweis dafür, dass der Norweger türkische Mannschaften bewusst aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt, gibt es bislang nicht.
Gerade deshalb sollte die Diskussion anders geführt werden: Warum setzt die UEFA einen Schiedsrichter weiterhin bei wichtigen Spielen türkischer Mannschaften ein, wenn dessen frühere Entscheidungen dort bereits derart massive Kontroversen ausgelöst haben?
Bei internationalen Spitzenspielen geht es nicht nur darum, ob eine einzelne Entscheidung irgendwie regeltechnisch vertretbar ist. Es geht ebenso um Vertrauen, Transparenz und die Akzeptanz der Schiedsrichteransetzung.
UEFA muss sich Fragen gefallen lassen
Espen Eskas gehört zu den von der UEFA regelmäßig eingesetzten internationalen Schiedsrichtern. Genau deshalb trägt auch die UEFA Verantwortung.
Wenn derselbe Referee bei mehreren entscheidenden Europapokalspielen türkischer Mannschaften immer wieder im Zentrum schwerer Diskussionen steht, sollte der europäische Verband zumindest prüfen, ob weitere Ansetzungen in besonders sensiblen Spielen sinnvoll sind.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Espen Eskas nachweislich gegen Türken eingestellt ist. Dafür fehlen Beweise.
Die berechtigte Frage lautet vielmehr:
Wie viele hochumstrittene Entscheidungen in Spielen türkischer Vereine braucht es noch, bevor die UEFA die wiederkehrende Kritik an Espen Eskas ernsthaft untersucht?





