Deutschland

Polizeigewalt in Deutschland 2019–2025 – Zwischen Einzelfallkontroversen, tödlichen Einsätzen und juristischer Aufarbeitung

Polizeigewalt ist in Deutschland – wie in vielen anderen demokratischen Staaten – ein sensibles gesellschaftliches Thema. Besonders dann, wenn die Gewalt gegen Menschen mit Migrations- oder People of Colour-Hintergrund ausgeübt wird. Statistiken, Einzelfälle und rechtliche Prozesse zeigen dabei ein komplexes, oft kontrovers diskutiertes Bild. Im Folgenden ein ausführlicher medienartiger Bericht, der die wichtigsten Aspekte, Zahlen und Entwicklungen der vergangenen fünf Jahre zusammenfasst.

1. Zunahme tödlicher Polizeischüsse – Gesamtzahlen

Die Zahl der tödlichen Polizeieinsätze mit Schusswaffengebrauch ist in Deutschland zuletzt über dem langjährigen Durchschnitt geblieben. Nach Auswertungen der Zeitschrift „Bürgerrechte & Polizei/CILIP“, die seit Jahrzehnten Polizeischüsse dokumentiert, starben:

  • 2024: etwa 22 Menschen durch Polizeikugeln – ein Rekordwert seit Beginn der Erfassung in den 1970er Jahren.  
  • 2025: mindestens 17 Todesfälle durch Polizeischüsse, weiterhin deutlich über dem historischen Jahresdurchschnitt.  

Diese Statistiken umfassen alle polizeilich getöteten Personen, unabhängig von Hintergrund oder Anlass, und zeigen einen Trend, der in der öffentlichen Debatte große Aufmerksamkeit erhalten hat. 

Hervorzuheben ist dabei, dass Opfer dieser tödlichen Einsätze in mehreren öffentlich breit diskutierten Fällen Personen mit dunkler Hautfarbe oder migrantischer Identität waren – was wiederum breit über strukturelle Probleme innerhalb der Polizeiarbeit debattiert wurde.

2. Prominente Einzelfälle der letzten Jahre

Fall „Lorenz“ – Oldenburg 2025

Im April 2025 wurde ein 21-jähriger Mann namens „Lorenz A.“ von einem Polizisten in Oldenburg erschossen, nachdem nach Polizeiangaben ein Einsatz eskaliert war. Menschenrechtsgruppen und zivilgesellschaftliche Organisationen kritisierten die Umstände und nannten u. a. das Fehlen einer aktiven Bodycam und mögliche rassistische Elemente im Vorgehen der Polizei. 

Der Beamte wurde vorläufig vom Dienst suspendiert und es wird wegen Totschlags ermittelt – ein juristisches Prüfverfahren, das auch von politischen Akteur:innen und NGOs genau verfolgt wird. 

Fall Mouhamed Lamine Dramé – Dortmund 2022

Ein weiterer massiver Einzelfall ist der Tod des 16-jährigen Flüchtlings Mouhamed Lamine Dramé im August 2022 in Dortmund. Nach einem Polizeieinsatz wurde er von fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole getroffen, obwohl er bereits handlungsunfähig war. In der Folge begann im Dezember 2025 ein Strafprozess, in dem ein Beamter wegen fahrlässiger Tötung und weitere Kollegen wegen Körperverletzung im Dienst angeklagt sind – ein seltener juristischer Schritt in Fällen polizeilicher Gewalt. 

Weitere juristische Verfahren und Vorwürfe übergriffiger Gewalt

In mehreren weiteren Fällen – etwa bei einer Festnahme in Mannheim im Mai 2022 – wird das Vorgehen von Polizeibeamten als überzogen bewertet. Diese Verfahren werden gegenwärtig von Staatsanwaltschaften und Gerichten geprüft, wobei die rechtlichen Ergebnisse noch nicht vollständig abgeschlossen sind. 

3. Wie viele Polizist:innen wurden rechtlich belangt?

Konkrete, offizielle Zahlen darüber, wie viele Polizist:innen in Deutschland wegen Gewaltanwendung im Dienst entlassen oder verurteilt wurden, existieren in dieser Form nicht zentral und werden nur sporadisch bekannt. Unabhängige Beobachter:innen und NGOs wie CILIP oder Amnesty International betonen, dass strafrechtliche Konsequenzen gegen Polizeibeamte trotz offensichtlicher Gewaltanwendungen sehr selten sind – oft werden Ermittlungen eingestellt oder enden ohne Verurteilung.

Ein Beispiel ist der oben erwähnte Ermittlungsfall gegen den Oldenburger Beamten nach dem Tod von „Lorenz“. Solche juristischen Prüfungen dauern meist Monate bis Jahre und sind nicht automatisch mit einer Verurteilung gleichzusetzen.

Studien und NGOs schätzen, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz (deutlich unter 1 %) der dokumentierten Fälle von mutmaßlicher Polizeigewalt zu strafrechtlichen Verurteilungen führt, was Kritik an der institutionellen Aufarbeitung befeuert – explizite deutschlandweite Hochrechnungen hierzu liegen aber nicht vor.

4. Politischer und gesellschaftlicher Kontext

Während die Statistik der tödlichen Polizeischüsse steigt und öffentlich diskutierte Einzelfälle für Empörung sorgen, wird auch über strukturelle Probleme innerhalb der Polizei debattiert:

  • Menschenrechtsorganisationen weisen explizit auf Rassismus und diskriminierende Muster hin, gerade wenn Opfer mit Schwarzem oder migrantischem Hintergrund sind.  
  • Eine Amnesty-Analyse führte zahlreiche Debatten darüber an, wie Polizei-Einsätze mit Minderheiten kommuniziert, dokumentiert und juristisch aufgearbeitet werden.  

Gleichzeitig argumentieren Polizeigewerkschaften in der öffentlichen Debatte, dass die Beamten zunehmend in gefährliche und dynamische Situationen geraten, die schnelle Entscheidungen erfordern – eine Sichtweise, die auf eine breitere gesellschaftliche Diskussion über Ausbildung, Deeskalation und Einsatzregeln trifft.

5. Fazit – Zusammengefasstes Lagebild

  • Tödliche Polizeischüsse in Deutschland lagen in den Jahren 2024 und 2025 deutlich über dem historischen Durchschnitt.  
  • Bekannte Einzelfälle, in denen Menschen mit Migrations- oder People of Colour-Hintergrund starben (z. B. Mouhamed Dramé, Lorenz), führten zu juristischen Prüfungen, aber nur selten zu schnellen oder klaren juristischen Konsequenzen.  
  • Zahl der Entlassungen/Verurteilungen von Polizisten: Es gibt keine zentrale, veröffentlichte Zahl; Ermittlungen laufen in mehreren Fällen, doch Verurteilungen sind selten.
  • Die Debatte umfasst nicht nur Einzelfälle, sondern auch Fragen nach strukturellem Rassismus, Deeskalationsstrategien und Transparenz bei polizeilichen Maßnahmen.

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