Wirtschaft

Rekord Abfindung bis zu 330.000 Euro fürs Gehen: Mercedes baut auch in der Produktion Personal ab

Stuttgart. Mercedes-Benz setzt seinen Sparkurs in Deutschland fort. Auch in ausgewählten Produktionsbereichen bietet der Konzern Beschäftigten hohe Abfindungen für einen freiwilligen Abschied an. In einzelnen Beispielrechnungen erreichen die Zahlungen rund 330.000 Euro brutto. Gleichzeitig belasten rückläufige Autoverkäufe und das schwache China-Geschäft den Hersteller.

Freiwilliger Abschied in Untertürkheim und Berlin

In den Komponentenwerken Stuttgart-Untertürkheim und Berlin laufen Programme zum freiwilligen Ausscheiden. Sie betreffen insbesondere Bereiche, deren Aufgaben sich durch den Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb verändern.

Ein allgemeines Abfindungsangebot für sämtliche Produktionsbeschäftigte gibt es nach Unternehmensangaben jedoch nicht. Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Bereiche der Motoren- und Komponentenfertigung. Die Programme sind Teil eines längerfristigen Personalumbaus. 

Wer rund 330.000 Euro erhalten kann

Wie hoch die Zahlung ausfällt, hängt unter anderem vom Alter, der Vergütung, der Betriebszugehörigkeit und zusätzlichen Austrittsprämien ab.

Tätigkeit beziehungsweise EingruppierungMögliche Bruttoabfindung
Beschäftigter mit abgeschlossener Berufsausbildung, Entgeltgruppe 5rund 224.000 Euro
Facharbeiter mit besonderen Kenntnissen, Entgeltgruppe 7rund 248.000 Euro
Meister als Schicht- oder Fertigungsgruppenleiter, Entgeltgruppe 12rund 330.000 Euro

Für einen 50-jährigen Beschäftigten in Untertürkheim ergeben sich folgende Beispielbeträge:

Die Beträge sind Modellrechnungen und keine pauschalen Angebote an alle Beschäftigten. Beim genannten Meisterbeispiel setzt sich die Zahlung aus einem Sockelbetrag, zusätzlichen Monatsgehältern und Prämien für einen schnellen Austritt zusammen. Unter bestimmten Voraussetzungen können weitere Zahlungen hinzukommen. Die rund 330.000 Euro stellen deshalb keine verbindliche Obergrenze dar. 

Beschäftigungssicherung macht freiwillige Lösungen entscheidend

Für die von der Vereinbarung erfassten Beschäftigten gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2034. Mercedes setzt beim Personalabbau deshalb auf einvernehmliche Vertragsauflösungen.

Auch außerhalb der Produktion geht der Umbau weiter: Ab Dezember 2026 sollen Beschäftigte in Verwaltung und Entwicklung erneut Abfindungsangebote erhalten. Zum angesprochenen Personenkreis gehören etwa 38.000 Mitarbeiter. Das bedeutet allerdings nicht, dass entsprechend viele Stellen wegfallen sollen. Beim vorherigen Programm nutzten bereits mehr als 5.500 Beschäftigte die Möglichkeit zum freiwilligen Ausscheiden. 

Gewinn steigt – doch das Geschäft bleibt unter Druck

Die Ergebnisse des dritten Quartals 2026 zeigen ein gemischtes Bild. Der Konzernüberschuss stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 28 Prozent auf rund 1,52 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT, erhöhte sich von 750 Millionen auf rund 1,77 Milliarden Euro.

Dem stehen rückläufige Umsätze und Verkaufszahlen gegenüber: Der Konzernumsatz sank um 4,5 Prozent auf rund 30,7 Milliarden Euro. Mercedes-Benz Cars verkaufte weltweit etwa 407.200 Fahrzeuge – knapp acht Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Deutlich besser entwickelte sich der Absatz vollelektrischer Autos. Er legte um rund 61 Prozent auf etwa 68.400 Fahrzeuge zu. Dieses Wachstum reichte jedoch nicht aus, um den Rückgang der gesamten Pkw-Verkäufe auszugleichen. 

Mercedes senkt die Erwartungen für das Gesamtjahr

Für zusätzliche Belastungen sorgen das schwierige Marktumfeld in China und höhere erwartete Kosten im Schlussquartal. Mercedes hat deshalb seine Prognose für 2026 gesenkt.

Das Konzern-EBIT soll nun ungefähr auf Vorjahresniveau liegen. Zuvor hatte das Unternehmen einen deutlichen Anstieg erwartet. Für das Pkw-Geschäft rechnet Mercedes nur noch mit einer bereinigten Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent statt bisher drei bis fünf Prozent. 

Für die Belegschaft bedeutet diese Entwicklung einen anhaltenden Umbau. Die hohen Abfindungen machen einen freiwilligen Abschied finanziell attraktiv. Zugleich zeigen sie, welchen Aufwand Mercedes betreibt, um seine Personalstruktur an veränderte Produktionsanforderungen und einen härteren Wettbewerb anzupassen.

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