Politik

Kriminalität und Strafjustiz: Was die Zahlen über Deutsche und Ausländer zeigen

Berlin. Die Zahl polizeilich erfasster Straftaten ist in Deutschland 2025 zurückgegangen. Gleichzeitig bleibt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ein bedeutendes Thema der Sicherheitsdebatte. Für eine sachliche Bewertung müssen Ermittlungen, Gerichtsverfahren und rechtskräftige Verurteilungen unterschieden werden.

Rund 60 Prozent der Tatverdächtigen sind Deutsche

Die Polizei registrierte 2025 bundesweit 2.054.855 Tatverdächtige. Davon besaßen 1.231.246 die deutsche Staatsangehörigkeit, 823.609 hatten keinen deutschen Pass. Die Zahl deutscher Tatverdächtiger sank gegenüber 2024 um 3,2 Prozent, die nichtdeutscher um 9,8 Prozent.

StaatsangehörikeitTatverdverdächtige 2025Anteil
Deutsch1.231.246rund 59,9 %
Nichtdeutsch823.609rund 40,1 %
Insgesamt2.054.855100 %

Werden ausländerrechtliche Verstöße herausgerechnet, beträgt der nichtdeutsche Anteil 35,5 Prozent. Diese Abgrenzung ist wichtig, weil beispielsweise unerlaubter Aufenthalt überwiegend Menschen ohne deutschen Pass betrifft.

Welche Staatsangehörigkeiten am häufigsten erfasst wurden

Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen gehörten 2025 folgende Staatsangehörigkeiten zu den zahlenmäßig größten Gruppen:

StaatsangehörigkeitTatverdverdechtige
Türkei79.205
Syrien76.755
Rumänien65.556
Ukraine56.909

Diese Angaben betreffen Tatverdächtige einschließlich ausländerrechtlicher Verstöße, keine rechtskräftig verurteilten Täter. Sie zeigen außerdem absolute Zahlen und keine Kriminalitätsrate der jeweiligen Bevölkerungsgruppe.

Für einen belastbaren Vergleich müssen unter anderem die Größe der jeweiligen Bevölkerung, Alter, Geschlecht, Wohnsitz und Deliktsart berücksichtigt werden. Auch Touristen, Durchreisende und Personen ohne registrierten Wohnsitz können in den Zahlen enthalten sein.

Strafgerichte: 632.100 rechtskräftige Verurteilungen

2024 wurden bundesweit rund 632.100 Personen rechtskräftig verurteilt. Das waren etwa vier Prozent weniger als 2023.

Mit rund 80 Prozent war die Geldstrafe die häufigste Sanktion. Etwa 14 Prozent entfielen auf Freiheitsstrafe oder Strafarrest nach allgemeinem Strafrecht. In weiteren sechs Prozent kam Jugendstrafrecht zur Anwendung.

Der Rückgang hing wesentlich mit weniger Verurteilungen nach dem Betäubungsmittelgesetz zusammen, insbesondere infolge der Cannabis-Teillegalisierung.

Eine bundesweite Aufschlüsselung der Verurteilungen 2024 nach deutscher und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit konnte für diese Recherche nicht verlässlich überprüft werden. Bestätigte Länderzahlen zeigen folgendes Bild:

Bundesland, jeweils 2024Verurteilungen insgesamtNichtdeutsche VerurteilteNichtdeutscher Anteil
Baden-Württembergrund 97.300rund 46.500rund 47,8 %
Bayern110.69154.53249,3 %

Der Anteil für Baden-Württemberg wurde aus gerundeten Angaben berechnet. Die Länderwerte dürfen nicht auf ganz Deutschland übertragen werden.

Verurteilungen sind keine Zahl der Gerichtsverhandlungen

Die Strafverfolgungsstatistik erfasst gerichtliche Entscheidungen gegen Personen. Sie zählt nicht die einzelnen Verhandlungstage. Wird dieselbe Person in mehreren Verfahren verurteilt, kann sie mehrfach erscheinen. Zudem enden gerichtliche Verfahren nicht ausschließlich mit einer Verurteilung.

Aus den dargestellten Zahlen lässt sich deshalb keine bundesweite Quote sämtlicher Strafverhandlungen nach Staatsangehörigkeit ableiten. Auch eine Verurteilungswahrscheinlichkeit kann durch die Gegenüberstellung der Tatverdächtigen und Verurteilten eines Jahres nicht berechnet werden: Die Statistiken betreffen unterschiedliche Verfahrensstände und Zeiträume.

Kriminalität insgesamt rückläufig

2025 wurden bundesweit rund 5,5 Millionen Straftaten polizeilich erfasst – 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Ohne ausländerrechtliche Verstöße betrug der Rückgang 4,4 Prozent. Die Gewaltkriminalität sank um 2,3 Prozent.

Diese Entwicklung wurde unter anderem durch die Cannabis-Teillegalisierung und weniger registrierte ausländerrechtliche Verstöße beeinflusst.

Die Polizeistatistik beschreibt allerdings nur das bekannte Hellfeld. Nicht angezeigte oder unentdeckte Straftaten fehlen. Veränderungen können auch durch neue Gesetze, intensivere Kontrollen oder eine veränderte Anzeigebereitschaft entstehen.

Staatsangehörigkeit allein erklärt keine Kriminalität

Nichtdeutsche Tatverdächtige sind in der Polizeistatistik überproportional vertreten. Die Ursachen lassen sich jedoch nicht allein aus dem Pass ablesen. Für die Einordnung spielen unter anderem Alters- und Geschlechterstruktur, soziale Benachteiligung, Lebensumfeld und Aufenthaltsbedingungen eine Rolle. Wie stark einzelne Faktoren wirken, muss gesondert untersucht werden.

Zudem bedeutet „deutsch“ in diesen Statistiken deutsche Staatsangehörigkeit, nicht „ohne Migrationshintergrund“. Eingebürgerte sowie Menschen mit deutschem und einem weiteren Pass werden zur deutschen Gruppe gezählt. Eine pauschale Gegenüberstellung von „Migranten“ und „Deutschen“ ist anhand dieser Daten deshalb nicht möglich.

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