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ISRAEL UND TÜRKEI: NEUER SPANNUNGSPUNKT IM MITTELMEER

Berichte über Begegnungen türkischer und israelischer Kriegsschiffe sorgen für Aufmerksamkeit

Die Spannungen zwischen Israel und der Türkei erhalten eine neue maritime Dimension. Nachdem zuletzt vor allem Syrien im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stand, richten sich die Blicke nun zunehmend auf das östliche Mittelmeer.

Nach einem Bericht des israelischen öffentlich-rechtlichen Senders Kan sollen sich türkische Kriegsschiffe israelischen Marineeinheiten im Mittelmeer angenähert und deren mögliche Fahrtrouten beeinflusst haben. Mehrere Medien griffen die Angaben inzwischen auf. Zeitpunkt und genauer Ort der einzelnen Begegnungen wurden in den bisher verfügbaren Berichten allerdings nicht präzisiert.

Israelische Marine erhöht ihre Bereitschaft

Nach den israelischen Berichten hat die türkische Marine ihre Aktivitäten im Mittelmeer in den vergangenen Monaten verstärkt. Genannt werden eine höhere Präsenz von Kriegsschiffen sowie regelmäßige Übungen.

Die israelische Marine soll daraufhin ihre operative Bereitschaft erhöht haben und verschiedene Szenarien prüfen – darunter auch die Möglichkeit einer unmittelbaren Begegnung mit türkischen Einheiten.

Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass Israel und die Türkei unmittelbar vor einem Seekrieg stehen.

Bislang gibt es keinen bestätigten Schusswechsel, keinen gemeldeten Angriff türkischer Kräfte auf israelische Schiffe und keinen bestätigten israelischen Angriff auf türkische Marineeinheiten.

Gefährlich werden vor allem Fehlkalkulationen

Die Entwicklung ist dennoch sicherheitspolitisch relevant.

Wenn Kriegsschiffe zweier Staaten mit zunehmend angespannten politischen Beziehungen regelmäßig in denselben Seegebieten operieren, steigt das Risiko unbeabsichtigter Zwischenfälle.

Eine falsch interpretierte Kursänderung, ein Radarereignis oder ein militärisches Manöver könnte in einer bereits angespannten Situation schneller als Provokation verstanden werden.

Deshalb sind direkte Kommunikationskanäle zwischen beiden Seiten besonders wichtig.

Syrien bleibt der zweite Brennpunkt

Parallel bleibt Syrien der wichtigste politische Konfliktpunkt zwischen Ankara und Jerusalem.

Israel betrachtet eine weitergehende türkische Militärpräsenz in Zentral- und insbesondere Südsyrien als Sicherheitsproblem. In Israel wird offen darüber diskutiert, dass eine türkische Präsenz mit NATO-standardisierten militärischen Fähigkeiten die bisherige israelische Operationsfreiheit verändern könnte. Dabei handelt es sich teilweise um Einschätzungen israelischer Sicherheitsexperten und nicht um offizielle Kriegserklärungen der Regierung. (Jerusalem Post⁠)

Die Türkei wiederum unterstützt die syrische Regierung und weist den israelischen Anspruch zurück, über die militärische Zusammenarbeit Syriens mit Ankara bestimmen zu können. (Anadolu Ajansı⁠)

Die USA arbeiten deshalb an einem Mechanismus zur militärischen Konfliktvermeidung zwischen Israel, der Türkei und Syrien. Ziel wäre insbesondere, unbeabsichtigte Zusammenstöße zu verhindern. (Al-Monitor⁠)

NATO-Frage stellt sich derzeit nicht

Trotz der angespannten Lage gibt es gegenwärtig keinen NATO-Bündnisfall.

Die Türkei ist NATO-Mitglied, doch die bislang berichteten Begegnungen im Mittelmeer stellen für sich genommen keinen Angriff auf die Türkei dar. Es gibt derzeit auch keine bestätigte Aktivierung von Artikel 4 oder Artikel 5 im Zusammenhang mit Israel.

Erst ein tatsächlicher bewaffneter Zwischenfall würde eine völlig neue politische und rechtliche Debatte innerhalb des Bündnisses auslösen.

Gleichzeitig entstehen neue strategische Partnerschaften

Die Entwicklung findet in einer Phase statt, in der sich die militärischen Beziehungen im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten verändern.

Israel und Griechenland haben am 31. August ein Verteidigungsabkommen im Umfang von rund drei Milliarden Euro unterzeichnet. Griechenland erhält unter anderem ein mehrschichtiges israelisches Luftverteidigungssystem. Die Vereinbarung ist Teil der langfristigen griechischen Modernisierung seiner Streitkräfte und wird auch vor dem Hintergrund der traditionellen Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei betrachtet. (Reuters⁠)

Gleichzeitig treffen sich Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan in Istanbul zur ersten Sitzung ihres neuen gemeinsamen strategischen und verteidigungspolitischen Gremiums. (Reuters⁠)

Daraus sollte allerdings nicht vorschnell auf die Entstehung zweier unmittelbar gegeneinander gerichteter Militärblöcke geschlossen werden. Die jeweiligen Kooperationen verfolgen mehrere regionale und nationale Interessen.

Noch keine direkte Konfrontation – aber mehr Berührungspunkte

Die entscheidende Entwicklung besteht derzeit darin, dass sich die möglichen Berührungspunkte zwischen Israel und der Türkei vermehren.

In Syrien treffen unterschiedliche sicherheitspolitische Interessen aufeinander. Im Mittelmeer operieren die Streitkräfte beider Länder zunehmend im selben strategischen Raum.

Noch sprechen die verfügbaren Informationen nicht für einen unmittelbar bevorstehenden israelisch-türkischen Krieg.

Die Gefahr liegt vielmehr darin, dass politische Spannungen, militärische Präsenz und regionale Bündnisse inzwischen so eng zusammentreffen, dass ein einzelner Zwischenfall erheblich größere Konsequenzen entwickeln könnte.

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