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„Netanyahu reist zur UN – doch die diplomatische Bühne bleibt für ihn weitgehend leer“

NEW YORK – Benjamin Netanyahus bevorstehender Auftritt bei den Vereinten Nationen steht unter schwierigen diplomatischen Vorzeichen. Während sich in New York zahlreiche Staats- und Regierungschefs zu Gesprächen treffen, soll der israelische Ministerpräsident nach derzeitigen Berichten ohne größere bilaterale Termine anreisen und die USA bereits kurz nach seiner UN-Rede wieder verlassen.

Kein Treffen mit Trump vorgesehen

Nach aktuellen Berichten ist derzeit kein Treffen zwischen Netanyahu und US-Präsident Donald Trump angesetzt. Auch darüber hinaus sind bislang keine größeren bilateralen Begegnungen Netanyahus öffentlich bestätigt worden. Eine mögliche Begegnung mit US-Außenminister Marco Rubio bleibt dagegen im Gespräch.

Das ist diplomatisch bemerkenswert: Gerade die UN-Generalversammlung wird von Regierungschefs traditionell intensiv für Gespräche am Rande der offiziellen Sitzungen genutzt. Dass Netanyahu offenbar nur einen sehr kurzen Aufenthalt plant, unterstreicht, wie ungewöhnlich seine diesjährige Reise ausfällt.

Sorge vor Protesten begleitet die Reise

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Frage, wo Netanyahus Regierungsmaschine landen wird. Israelische Medien berichten über Überlegungen, statt eines New Yorker Flughafens einen Flughafen in New Jersey zu nutzen. Dabei spielen auch die scharfen politischen Auseinandersetzungen mit New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani eine Rolle.

Mamdani gehört zu den deutlichsten Kritikern Netanyahus und hat schwere Vorwürfe gegen den israelischen Regierungschef erhoben. Netanyahu wiederum wirft Mamdani unter anderem Unterstützung für Hamas und eine feindselige Haltung gegenüber Israel vor. Beide Seiten liefern sich inzwischen eine öffentlich ausgetragene politische Konfrontation. (Reuters⁠)

Die Bilder von 2025 wirken nach

Besonders unangenehm für Netanyahu dürfte die Erinnerung an seinen vergangenen Auftritt vor der UN-Generalversammlung sein.

Als er am 26. September 2025 ans Rednerpult trat, verließen zahlreiche Diplomaten demonstrativ den Saal. Reuters berichtete damals von einem umfangreichen Walkout während seines Auftritts. Andere Berichte sprachen von mehr als 100 Diplomaten aus über 50 Staaten, die den Saal verlassen hätten. Allerdings blieben auch Delegationen im Saal und Netanyahu erhielt von Teilen des Publikums Beifall.

Damit wurde die UN-Bühne für Netanyahu nicht nur zu einem Ort seiner politischen Botschaft, sondern gleichzeitig zu einem sichtbaren Schauplatz des internationalen Widerstands gegen die Politik seiner Regierung.

Netanyahu will trotzdem in die Offensive gehen

Von einem zurückhaltenden Auftritt ist allerdings nicht auszugehen. Netanyahu kündigte am Dienstag an, bei den Vereinten Nationen Israels militärisches Vorgehen zu verteidigen und seinen internationalen Kritikern entgegenzutreten. Seine Regierung weist insbesondere den Vorwurf eines Völkermords zurück und argumentiert, ihre militärischen Operationen richteten sich gegen Hamas.

Damit zeichnet sich erneut eine konfrontative Rede ab.

Doch gerade hier liegt die politische Brisanz: Eine Rede vor der Weltgemeinschaft kann internationale Diplomatie nicht ersetzen. Entscheidend wird deshalb nicht nur sein, was Netanyahu am Rednerpult sagt, sondern auch, wer anschließend noch mit ihm sprechen will.

Sollte sein Besuch tatsächlich ohne bedeutende bilaterale Begegnungen enden, wäre das zumindest ein sichtbares Zeichen dafür, wie schwierig Israels diplomatische Lage derzeit ist. Es wäre jedoch zu weitgehend, daraus eine vollständige internationale Isolation Israels abzuleiten: Die USA bleiben ein zentraler Partner, und Netanyahu verfügt weiterhin über diplomatische Kontakte zu anderen Regierungen.

UN-Auftritt unter besonderer Beobachtung

Netanyahus Reise droht damit zu einem ungewöhnlichen UN-Besuch zu werden: kurze Aufenthaltsdauer, kein derzeit angekündigtes Treffen mit Trump, Protesterwartungen und die Erinnerung an die leeren Sitzreihen des vergangenen Jahres.

Seine Rede dürfte international große Aufmerksamkeit erhalten. Ebenso aufschlussreich wird aber das Geschehen außerhalb des Rednerpults sein.

Denn bei einem Gipfel, bei dem nahezu die gesamte Weltspitze zusammenkommt, sprechen nicht nur die vereinbarten Treffen eine politische Sprache – sondern manchmal auch die Treffen, die nicht stattfinden.

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