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Türkei verbietet Social Media für unter 15-Jährige – ein Vorbild für Europa?

Ab dem 1. November 2026 gelten in der Türkei neue Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke. Für Jugendliche ab 15 Jahren werden zusätzliche Schutzregeln eingeführt.

Altersprüfung wird verpflichtend

Die Türkei verschärft den Schutz von Kindern in sozialen Netzwerken. Nach übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagentur Anadolu und türkischer Medien wurde die entsprechende Verordnung am 10. Oktober veröffentlicht. Plattformen dürfen Kindern unter 15 Jahren künftig keine Social-Media-Dienste anbieten. Neue Konten dieser Altersgruppe müssen ab November abgelehnt werden.

Die Altersprüfung soll über das staatliche Verwaltungsportal e-Devlet erfolgen. Ein digitaler Nachweis bestätigt, ob die Altersgrenzen von 15 beziehungsweise 18 Jahren erreicht sind. Namen und andere identifizierende Angaben sollen dabei nicht an die Plattformen übermittelt werden. Für bestehende Konten läuft die Prüfungsfrist bis zum 31. März 2027. Konten von nachweislich unter 15-Jährigen werden geschlossen.

Mehr Schutz für Jugendliche

Für 15- bis 17-Jährige sind besonders geschützte Konten vorgesehen. Ihre Profile müssen privat bleiben. Eigene Livestreams, personalisierte Werbung und endloses Scrollen sollen untersagt werden.

Nachrichten dürfen Jugendliche nur von Konten erhalten, denen sie selbst folgen. Ihre Follower- und Abonnementlisten bleiben für andere verborgen. Eltern sollen außerdem Kontoeinstellungen verwalten, Nutzungszeiten begrenzen und kostenpflichtige Vorgänge freigeben können.

Europa hat bereits Schutzvorgaben

Auch die Europäische Union verpflichtet Plattformen zum Schutz Minderjähriger. Der Digital Services Act verbietet Werbung gegenüber Minderjährigen, wenn sie auf Profiling beruht. Ergänzend veröffentlichte die EU-Kommission Leitlinien für einen besseren Schutz junger Nutzer. Die türkische Altersgrenze geht darüber hinaus.

Kommentar: Deutschland und Europa sollten konsequenter handeln

Der türkische Ansatz ist ein sehr vernünftiges und begrüßenswertes Projekt. Kinder brauchen einen geschützten Raum für ihre Entwicklung. Ihr Alltag sollte nicht von Plattformen bestimmt werden, deren Geschäftsmodelle möglichst lange Aufmerksamkeit belohnen.

Deutschland und weitere europäische Länder sollten vergleichbare Altersgrenzen einführen und bei besonders riskanten Funktionen noch strengere Maßnahmen prüfen. Dazu gehören verbindliche Nutzungspausen, ausgeschaltetes automatisches Abspielen und konsequente Sanktionen gegen Plattformen, die Schutzvorgaben missachten.

Entscheidend ist allerdings die Umsetzung: Alterskontrollen müssen zuverlässig und datensparsam funktionieren. Ergänzend braucht es Medienbildung und Unterstützung für Eltern. Ein Verbot allein löst nicht jedes Problem – wirksamer Kinderschutz verlangt klare Regeln und deren konsequente Durchsetzung.

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