Politik

Vier führende AfD-Politiker im Porträt: Wer sind Alice Weidel, Tino Chrupalla, Björn Höcke und Ulrich Siegmund?

Sie gehören zu den bekanntesten Gesichtern der Alternative für Deutschland, ihre Lebensläufe könnten jedoch kaum unterschiedlicher sein. Alice Weidel machte Karriere in Wirtschaft und Finanzwesen, Tino Chrupalla im Handwerk, Björn Höcke als Lehrer und Ulrich Siegmund in Vertrieb und Unternehmertum.

Ein Blick auf Herkunft, Ausbildung, Beruf und politischen Werdegang zeigt, welche Erfahrungen die vier Politiker geprägt haben – und welche politischen Ziele sie heute verfolgen.

Dr. Alice Weidel – von der Wirtschaftswissenschaftlerin zur AfD-Bundessprecherin

Geburt und Herkunft

Alice Elisabeth Weidel wurde am 6. Februar 1979 in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen geboren. Sie wuchs mit zwei Geschwistern im nahe gelegenen Harsewinkel auf.

Ihr Vater Gerhard Weidel war Wirtschaftsingenieur und arbeitete später unter anderem als Handelsvertreter für Büromöbel. Über den beruflichen Werdegang ihrer Mutter sind öffentlich nur wenige belastbare Angaben bekannt. Weidel berichtete mehrfach, dass insbesondere ihr Vater ihr frühes Interesse an wirtschaftlichen und politischen Fragen geweckt habe. (Wikipedia⁠)

Schule und Ausbildung

1998 machte Weidel ihr Abitur am CJD-Gymnasium in Versmold. Anschließend studierte sie Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth.

Ihr Studium schloss sie 2004 ab. Später promovierte sie ebenfalls in Bayreuth in Volkswirtschaftslehre. Ihre Dissertation beschäftigte sich mit dem chinesischen Rentensystem. Sie trägt den akademischen Grad Dr. rer. pol. (Deutscher Bundestag⁠)

Karriere vor der Politik

Bevor Alice Weidel hauptberuflich Politikerin wurde, arbeitete sie mehrere Jahre in der internationalen Wirtschaft.

Zu ihren beruflichen Stationen gehörte unter anderem eine Tätigkeit als Analystin bei Goldman Sachs in Frankfurt. Später arbeitete sie in der Finanz- und Unternehmensberatung, beschäftigte sich mit Beteiligungsmanagement und war an der Beratung beziehungsweise am Aufbau von Unternehmen beteiligt.

Einen Teil ihrer beruflichen und wissenschaftlichen Laufbahn verbrachte sie in Asien, insbesondere in China. Außerdem sammelte sie Berufserfahrung in Europa und den USA. (Deutscher Bundestag⁠)

Der Weg in die Politik

Weidel trat 2013, im Gründungsjahr der AfD, der Partei bei. Als einen wesentlichen Grund für ihr politisches Engagement bezeichnete sie die damalige Euro- und Finanzpolitik.

Bei der Bundestagswahl 2017 zog sie erstmals in den Deutschen Bundestag ein. Innerhalb weniger Jahre stieg sie zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Partei auf.

Seit 2021 führt sie gemeinsam mit Tino Chrupalla die AfD-Bundestagsfraktion. Seit 2022 ist sie außerdem Bundessprecherin beziehungsweise Parteivorsitzende der AfD. Im Juli 2026 wurde sie in diesem Amt erneut bestätigt. (Alternative für Deutschland⁠)

Private Interessen und Hobbys

Weidel bezeichnet Wandern und Fahrradfahren als Freizeitbeschäftigungen. Außerdem interessiert sie sich nach eigenen beziehungsweise biografischen Angaben für elektronische Musik und kocht unter anderem gerne asiatische Gerichte. (ZDFheute⁠)

Was ist ihr politisches Ziel?

Weidel verfolgt inzwischen offen das Ziel, die AfD von einer Oppositionspartei zu einer Regierungspartei auf Bundesebene zu entwickeln.

Zu ihren wichtigsten politischen Schwerpunkten gehören eine deutliche Begrenzung der Migration, eine restriktivere Asylpolitik, niedrigere Steuern und Abgaben, eine grundsätzlich andere Energiepolitik sowie eine stärkere nationale Entscheidungsfreiheit Deutschlands.

Nach ihrer Wiederwahl als Parteivorsitzende 2026 erklärte die AfD-Spitze ausdrücklich, den Weg in die Regierungsverantwortung fortsetzen zu wollen. (Alternative für Deutschland⁠)

Weidel gehört damit heute zu den zentralen strategischen Figuren der AfD und repräsentiert innerhalb der Partei insbesondere den wirtschafts- und finanzpolitisch geprägten Flügel.

Tino Chrupalla – vom Malermeister an die Spitze der AfD

Geburt und Herkunft

Tino Chrupalla wurde am 14. April 1975 in Weißwasser in der Oberlausitz geboren. Er wuchs im benachbarten Krauschwitz in der damaligen DDR auf.

Sein Vater arbeitete als Mechaniker, unter anderem in einer Eisengießerei. Über den Beruf seiner Mutter finden sich in öffentlich zugänglichen verlässlichen Biografien keine ähnlich konkreten Angaben. (Munzinger Online⁠)

Chrupallas Herkunft aus der Oberlausitz spielt bis heute eine wichtige Rolle in seiner politischen Selbstdarstellung.

Schule und Ausbildung

1991 erwarb Chrupalla die Mittlere Reife.

Von 1991 bis 1994 absolvierte er eine Berufsausbildung zum Maler und Lackierer. Anschließend leistete er von 1994 bis 1996 Zivildienst in Weißwasser.

Zwischen 2000 und 2003 besuchte er Meisterschulen in Görlitz und Dresden. 2003 legte er bei der Handwerkskammer Dresden seine Meisterprüfung ab und wurde Maler- und Lackierermeister. (Deutscher Bundestag⁠)

Der genaue Name seiner allgemeinbildenden Schule wird in den offiziellen Bundestagsbiografien nicht genannt.

Karriere vor der Politik

Nach seiner Ausbildung arbeitete Chrupalla zunächst als Geselle.

Nach der Meisterprüfung gründete er einen eigenen Malerbetrieb. Zeitweise beschäftigte sein Unternehmen mehrere Mitarbeiter.

Damit gehört Chrupalla zu den wenigen führenden Bundespolitikern, die aus einem klassischen Handwerksberuf in die Spitzenpolitik gewechselt sind. (Munzinger Online⁠)

Politischer Aufstieg

2015 trat Chrupalla der AfD bei. Bereits kurze Zeit später übernahm er Funktionen im Kreisverband Görlitz.

2017 gewann er erstmals ein Direktmandat für den Deutschen Bundestag. 2019 wurde er zum Bundessprecher der AfD gewählt.

Seit 2021 führt er gemeinsam mit Alice Weidel die AfD-Bundestagsfraktion. Im Juli 2026 wurde er erneut zum Bundessprecher gewählt. (Alternative für Deutschland⁠)

Hobbys und persönliche Interessen

Chrupalla gilt als Eishockey-Fan und ist eng mit seiner Heimatregion verbunden.

Bereits vor seiner Bundestagszeit engagierte er sich ehrenamtlich im Bereich Jugend und Sport in Weißwasser, Skerbersdorf und Krauschwitz. (DIE ZEIT⁠)

Was ist sein politisches Ziel?

Chrupalla stellt wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise und Mittelstand häufig in den Mittelpunkt seiner Politik.

Er fordert eine andere deutsche Energiepolitik, niedrigere Belastungen für Unternehmen und Bürger sowie eine technologieoffenere Industriepolitik. Außenpolitisch tritt er stärker als viele andere deutsche Spitzenpolitiker für Verhandlungen und diplomatische Lösungen bei internationalen Konflikten ein.

Ende 2025 erklärte er als zentrales Ziel, einen politischen Regierungswechsel in Berlin herbeiführen und die AfD langfristig in Regierungsverantwortung bringen zu wollen. (Deutscher Bundestag⁠)

Chrupalla versucht dabei, sich besonders als Vertreter von Handwerkern, Arbeitnehmern, Mittelstand und ostdeutschen Regionen zu positionieren.

Björn Höcke – vom Geschichts- und Sportlehrer zum führenden Politiker der Thüringer AfD

Geburt und Herkunft

Björn Uwe Höcke wurde am 1. April 1972 in Lünen in Nordrhein-Westfalen geboren.

Seine Familie zog kurz nach seiner Geburt zunächst nach Neuwied und später nach Anhausen im Westerwald, wo Höcke einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. (DIE ZEIT⁠)

Sein Vater arbeitete als Sonderschullehrer an der Landesblindenschule in Neuwied und war selbst sehbehindert. Seine Mutter arbeitete als Krankenschwester und Altenpflegerin. (DIE ZEIT⁠)

Schulzeit

Höcke besuchte zunächst die Braunsburg-Grundschule in Anhausen.

Später wechselte er auf das staatliche Rhein-Wied-Gymnasium in Neuwied. Dort legte er 1991 sein Abitur ab. Besonders Sport und Geschichte spielten schon während seiner Schulzeit eine wichtige Rolle. (DIE ZEIT⁠)

Studium und Ausbildung

Nach dem Abitur begann Höcke zunächst ein Jurastudium, das er nach kurzer Zeit wieder beendete.

Anschließend studierte er Sportwissenschaft und Geschichte für das Lehramt an Gymnasien unter anderem in Gießen und Marburg.

Später absolvierte er zusätzlich ein Masterstudium im Bereich Schulmanagement. Beruflich erreichte er den Status eines Oberstudienrats. (AfD Thüringen⁠)

Beruf vor der Politik

Vor seiner politischen Karriere arbeitete Höcke viele Jahre als Lehrer.

Er unterrichtete unter anderem Sport und Geschichte an Schulen in Hessen. Damit war der Schuldienst über viele Jahre sein eigentlicher Hauptberuf, bevor er vollständig in die Politik wechselte.

Mit seinem Einzug in den Thüringer Landtag wurde er vom Schuldienst beurlaubt.

Aufstieg innerhalb der AfD

Höcke gehörte 2013 zu den Mitbegründern des Thüringer Landesverbandes der AfD.

Seit 2014 sitzt er im Thüringer Landtag und entwickelte sich zu einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten der gesamten Partei.

Er führt die AfD in Thüringen und erreichte mit ihr bei der Thüringer Landtagswahl 2024 erstmals den ersten Platz bei einer Landtagswahl.

Hobbys und persönliche Interessen

Sport spielte bei Höcke bereits in seiner Jugend eine große Rolle. Ehemalige Mitschüler beschrieben ihn als sportlich; unter anderem lief beziehungsweise joggte er regelmäßig längere Strecken.

Auch Natur, Heimatgeschichte und historische Themen gehören zu seinen öffentlich erkennbaren persönlichen Interessen. (DIE ZEIT⁠)

Was ist sein politisches Ziel?

Höcke vertritt innerhalb der AfD einen stark nationalkonservativen beziehungsweise völkisch-national orientierten politischen Kurs.

Seine Schwerpunkte liegen insbesondere auf einer weitgehenden Begrenzung der Migration, einer stärkeren Betonung nationaler Identität, einer Veränderung der deutschen Erinnerungspolitik sowie einer grundlegenden politischen Neuorientierung Deutschlands.

Sein langfristiger Anspruch geht über Thüringen hinaus. Höcke spricht regelmäßig von einem tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Wandel.

Seine Positionen und Äußerungen haben wiederholt starke politische und gesellschaftliche Kontroversen ausgelöst. Der Thüringer AfD-Landesverband wird von den zuständigen Verfassungsschutzbehörden als rechtsextremistisch eingestuft; Höcke und seine Partei weisen die daraus gezogenen politischen Bewertungen zurück.

Ulrich Siegmund – vom Verkäufer und Unternehmer zum Gesicht der AfD in Sachsen-Anhalt

Geburt und Herkunft

Ulrich Siegmund wurde am 25. Oktober 1990 in Havelberg in Sachsen-Anhalt geboren.

Bereits wenige Tage nach seiner Geburt kam er nach Tangermünde, wo er aufwuchs und bis heute politisch und persönlich stark verwurzelt ist. (Munzinger Online⁠)

Sein Vater Andreas Siegmund war unter anderem als Ingenieur und Verkaufsleiter tätig und engagierte sich später ebenfalls im Umfeld der AfD. Seine Mutter starb 2019 bei einem Unfall. Siegmund hat außerdem einen älteren Bruder. (Munzinger Online⁠)

Schulzeit

Siegmund besuchte ein Gymnasium in Tangermünde.

Nach der elften Klasse verließ er die Schule mit der Fachhochschulreife. Nach eigenen Angaben wollte er möglichst schnell praktisch arbeiten und eigenes Geld verdienen. (mdr.de⁠)

Ausbildung und Studium

Siegmund absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel.

Parallel zu seiner späteren Berufstätigkeit begann er ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie.

2016 schloss er dieses Studium mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts ab. (Landtag Sachsen-Anhalt⁠)

Berufliche Karriere vor der Politik

Nach seiner Ausbildung arbeitete Siegmund zunächst im Großhandel und übernahm Vertriebsaufgaben.

Anschließend wechselte er zu einer Augenklinik in Berlin und arbeitete dort als Key Account Manager.

2014 machte er sich unternehmerisch selbstständig. Sein Unternehmen war unter anderem in Marketing und im Bereich Duft- beziehungsweise Raumbeduftungskonzepte tätig. (Landtag Sachsen-Anhalt⁠)

Politischer Weg

Siegmund trat bereits als junger Erwachsener zunächst der CDU bei.

Nach eigenen Angaben führten unter anderem die Euro-Rettungspolitik und seine zunehmende politische Unzufriedenheit dazu, dass er die CDU wieder verließ.

2014 trat er der AfD bei. Bereits 2016 zog er in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.

Seit 2022 führt er gemeinsam mit Oliver Kirchner die AfD-Landtagsfraktion. Bei der Landtagswahl am 6. September 2026 trat er als Spitzenkandidat seiner Partei an. Die AfD wurde stärkste Kraft; die von Siegmund angestrebte absolute Mehrheit wurde jedoch nicht erreicht. Er blieb anschließend einer der beiden Fraktionsvorsitzenden. (tagesschau.de⁠)

Hobbys und persönliche Interessen

Siegmund beschäftigt sich privat intensiv mit Kaffee und absolvierte sogar eine Ausbildung zum Kaffeesommelier in Wien.

Ein weiteres Interesse sind Düfte und deren psychologische Wirkung, was sich auch mit seiner beruflichen Tätigkeit im Bereich Raumbeduftung verband. (mdr.de⁠)

Daneben stellt er Familie und seine Heimatstadt Tangermünde regelmäßig als wichtige persönliche Bezugspunkte heraus.

Was ist sein politisches Ziel?

Siegmunds unmittelbarstes politisches Ziel ist die Übernahme von Regierungsverantwortung in Sachsen-Anhalt.

Im Landtagswahlkampf 2026 erklärte er ausdrücklich, Ministerpräsident werden und möglichst mit einer AfD-Alleinregierung regieren zu wollen. Die absolute Mehrheit wurde bei der Wahl allerdings verfehlt. (tagesschau.de⁠)

Politisch konzentriert sich Siegmund besonders auf Migration und innere Sicherheit, Wirtschaftspolitik, Energiefragen sowie eine stärkere Betonung regionaler Identität.

Eine unmittelbare Karriere in der Bundespolitik hat er nach der Landtagswahl zunächst nicht angekündigt. Er erklärte vielmehr, dass Alice Weidel auf Bundesebene die zentrale Führungsfigur bleiben solle. Langfristig schloss er eine bundespolitische Rolle wegen seines vergleichsweise jungen Alters allerdings nicht grundsätzlich aus. (DIE WELT⁠)

Vier unterschiedliche Lebensläufe – eine Partei

Alice Weidel, Tino Chrupalla, Björn Höcke und Ulrich Siegmund stehen für vier sehr unterschiedliche Wege in die Politik.

Weidel bringt internationale Wirtschafts- und Finanzexpertise mit. Chrupalla stammt aus dem Handwerk und führte einen eigenen Betrieb. Höcke war viele Jahre Lehrer für Geschichte und Sport. Siegmund kommt aus Vertrieb, Marketing und Unternehmertum.

Auch politisch besitzen sie unterschiedliche Profile. Weidel konzentriert sich stark auf Bundespolitik, Wirtschaft und strategische Regierungsfähigkeit. Chrupalla betont Mittelstand, Energie und Außenpolitik. Höcke steht für einen deutlich stärker national und gesellschaftspolitisch ausgerichteten Kurs. Siegmund versucht insbesondere in Sachsen-Anhalt, wirtschaftliche Themen, Migration, Sicherheit und eine stark auf soziale Medien ausgerichtete Kommunikation miteinander zu verbinden.

Gemeinsam ist ihnen das Ziel, die AfD von ihrer bisherigen Oppositionsrolle stärker in Richtung tatsächlicher Regierungsverantwortung zu führen. Während Weidel und Chrupalla dieses Ziel auf Bundesebene verfolgen, konzentrieren sich Höcke und Siegmund bislang vor allem auf ihre jeweiligen Bundesländer.

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