
Berlin – Wahlberechtigte mit Einwanderungsgeschichte gehen zunehmend auf Distanz zu den deutschen Parteien. Besonders deutlich zeigt sich der Vertrauensverlust bei Menschen mit familiären Wurzeln in der Türkei, im Nahen Osten, in Nordafrika, Afghanistan und Pakistan.
Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung zeigt, dass im Winter 2024/2025 deutlich weniger Befragte eine Partei grundsätzlich für wählbar hielten als im Vorjahr.
Bei Menschen aus den genannten Herkunftsregionen sank das Wählerpotenzial von CDU und CSU von 67 auf 50 Prozent. Die SPD fiel von 71 auf 60 Prozent. Dennoch bleibt sie unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte die Partei mit dem größten grundsätzlichen Wählerpotenzial, knapp vor der Union.
Die Untersuchung ist keine klassische Sonntagsfrage. Ermittelt wurde nicht die konkrete Wahlabsicht, sondern ob sich die Befragten grundsätzlich vorstellen könnten, eine bestimmte Partei irgendwann zu wählen.
AfD wird überwiegend abgelehnt
Rund 65 Prozent der Befragten mit Einwanderungsgeschichte erklärten, die AfD keinesfalls wählen zu wollen. Unter Menschen mit Wurzeln in der Türkei, im Nahen Osten und in Nordafrika lag die Ablehnung bei ungefähr 80 Prozent.
Eine Ausnahme bilden Wahlberechtigte aus Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. In dieser Gruppe konnten sich etwa 45 Prozent grundsätzlich vorstellen, die AfD zu wählen. Unter Menschen ohne Einwanderungsgeschichte waren es 28 Prozent.
Parteien müssen Vertrauen zurückgewinnen
Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte keine einheitliche Wählergruppe bilden. Herkunft ist nur einer von mehreren Einflussfaktoren. Auch Einkommen, Bildung, Alter und gesellschaftliche Einstellungen spielen eine wichtige Rolle.
Im Mittelpunkt stehen für viele Menschen vor allem Wirtschaft, Arbeit, soziale Sicherheit und bezahlbares Wohnen. Der Vertrauensverlust ist deshalb ein Warnsignal an alle Parteien: Symbolische Versprechen reichen nicht mehr aus. Gefragt sind glaubwürdige Politik und konkrete Verbesserungen im Alltag.



