
Bundesweite Polizeiaktion gegen mutmaßliche Neonazi-Strukturen
In Deutschland haben Sicherheitsbehörden am frühen Mittwochmorgen eine groß angelegte Razzia gegen mutmaßliche rechtsextreme Jugendgruppen durchgeführt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wurden in insgesamt zwölf Bundesländern rund 50 Objekte durchsucht. Im Fokus der Ermittlungen stehen 36 Verdächtige, denen die Bildung beziehungsweise Mitgliedschaft in kriminellen Vereinigungen vorgeworfen wird.
Bei den betroffenen Gruppierungen handelt es sich um die rechtsextremen Netzwerke „Jung & Stark“ (JS) sowie „Deutsche Jugend Voran“ (DJV). Letztere soll teilweise auch unter dem Namen „Neue Deutsche Welle“ aufgetreten sein. Nach Angaben der Ermittler existieren beide Strukturen seit Mitte 2024 und verfügen inzwischen über regionale Ableger in mehreren Bundesländern.
Ermittler warnen vor wachsender Gewaltbereitschaft
Laut Bundesanwaltschaft gelten die Gruppen als besonders gewaltorientiert. Die Mitglieder sollen sich sowohl über soziale Medien als auch bei regelmäßigen Treffen organisiert haben. Dabei soll unter anderem zu Angriffen auf politische Gegner sowie auf Personen aufgerufen worden sein, die von den Gruppen als „Pädophile“ bezeichnet wurden.
Mehrere Verdächtige sollen bereits körperliche Angriffe verübt haben. Gegen acht Beschuldigte laufen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung. Nach Angaben der Behörden wurden Opfer teils von mehreren Tätern gleichzeitig attackiert und erheblich verletzt.
Besonders alarmierend sei laut Sicherheitskreisen das junge Alter vieler Beteiligter. Der jüngste Beschuldigte soll erst 16 Jahre alt sein.
Sicherheitsbehörden beobachten neue rechtsextreme Jugendkultur
Das Bundeskriminalamt (BKA) und der Verfassungsschutz warnen bereits seit Monaten vor einer neuen Generation rechtsextremer Jugendgruppen in Deutschland. Diese würden sich zunächst im Internet organisieren und später zunehmend durch reale Gewaltaktionen, Einschüchterungen und Störaktionen auftreten.
Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz stieg die Zahl rechtsextremistischer Straftaten im Jahr 2024 um mehr als 47 Prozent auf über 37.800 Fälle. Auch die Zahl rechtsextremer Gewalttaten nahm deutlich zu. Körperverletzungen machten dabei den größten Anteil aus.
Sicherheitsbehörden sehen insbesondere soziale Netzwerke als Motor der Radikalisierung. Dort würden Jugendliche gezielt angesprochen, mit Kampfsport, Gewaltvideos und extremistischen Inhalten mobilisiert und anschließend in reale Gruppenstrukturen eingebunden.
Angriffe auf CSD-Veranstaltungen und politische Gegner
In den vergangenen Monaten wurden mehrere rechtsextreme Jugendgruppen mit Angriffen auf Christopher-Street-Day-Veranstaltungen (CSD) sowie Überfällen auf Journalisten und politische Gegner in Verbindung gebracht.
So hatte die Berliner Polizei bereits 2025 Razzien gegen Mitglieder von „Deutsche Jugend Voran“ durchgeführt. Damals ging es um Angriffe auf Journalisten nach einer Gegendemonstration zu einem CSD in Bautzen.
Auch Gruppierungen wie „Letzte Verteidigungswelle“, „Der Störtrupp“ oder regionale Neonazi-Netzwerke geraten zunehmend in den Fokus der Ermittler. Mehrere Verfahren wegen geplanter Anschläge, Brandstiftungen und organisierter Gewalt laufen derzeit vor deutschen Gerichten.
Keine Festnahmen – Ermittlungen dauern an
Nach bisherigen Informationen kam es bei der aktuellen Großrazzia zunächst zu keinen Festnahmen. Über 600 Polizeibeamte sowie Spezialeinheiten waren an den Einsätzen beteiligt. Sichergestellt wurden unter anderem Datenträger, Mobiltelefone und weiteres Beweismaterial.
Die Bundesanwaltschaft erklärte, Ziel der Maßnahmen sei es, die bundesweiten Strukturen der Gruppen aufzuklären und weitere mögliche Gewalttaten zu verhindern. Ermittlungen zu weiteren Verdächtigen seien nicht ausgeschlossen.




