
Nur wenige Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl gerät SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach unter erheblichen politischen Druck. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den früheren Regionspräsidenten. Im Mittelpunkt steht ein Vergabeverfahren rund um ein ehemaliges Krankenhausgelände und eine Parteispende. Krach weist sämtliche Vorwürfe entschieden zurück.
Durchsuchungen in Berlin und Hannover
Im Rahmen der Ermittlungen wurden mehrere Objekte durchsucht. Betroffen waren unter anderem Krachs Wohnung in Berlin-Schöneberg, seine Diensträume in Hannover sowie die Berliner SPD-Landeszentrale.
Die Staatsanwaltschaft hält sich zu den konkreten Einzelheiten des Verfahrens bislang zurück. Nach übereinstimmenden Medienberichten geht es um den Verdacht der Bestechlichkeit beziehungsweise einer möglichen unzulässigen Einflussnahme auf ein Vergabeverfahren.
Spende während eines Vergabeverfahrens
Im Zentrum steht der Verkauf beziehungsweise die weitere Nutzung eines ehemaligen Klinikstandortes in der Region Hannover. Krach war als Regionspräsident zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Region Hannover.
Besonders brisant: Ein Unternehmer, der an dem Verfahren beteiligt gewesen sein soll, überwies Ende Dezember 2025 9.900 Euro an die Berliner SPD.
Nach Darstellung der SPD wurde Krach Anfang Januar über die Zahlung informiert. Er habe daraufhin unverzüglich angeordnet, das Geld zurückzuüberweisen. Die Rückzahlung soll bereits wenige Tage nach Eingang der Spende erfolgt sein.
Krach bestreitet entschieden, sich von einem Bieter beeinflussen oder persönlich bereichert zu haben. Er betont zudem, dass der von ihm favorisierte Bewerber das betreffende Verfahren letztlich nicht gewonnen habe.
Krach weist Vorwürfe zurück
Der SPD-Politiker bezeichnet die gegen ihn erhobenen Verdächtigungen als haltlos und kündigte vollständige Kooperation mit Polizei und Staatsanwaltschaft an. Er habe nichts zu verbergen und sei auch bereit, seine finanziellen Verhältnisse überprüfen zu lassen.
Die Berliner SPD stellt sich bislang hinter ihren Spitzenkandidaten. Auch führende Parteivertreter wie Lars Klingbeil und Franziska Giffey erklärten öffentlich ihre Unterstützung.
Politischer Sprengstoff kurz vor der Wahl
Für die SPD kommt das Ermittlungsverfahren zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Am 20. September 2026 wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Krach will trotz der Ermittlungen Spitzenkandidat bleiben und seinen Wahlkampf fortsetzen.
Die Sozialdemokraten stehen ohnehin unter erheblichem Druck. In den jüngsten Umfragen bewegt sich die SPD nur noch ungefähr zwischen 11 und 15 Prozent und droht damit, eines ihrer schlechtesten Ergebnisse in Berlin zu erreichen.
Ob und in welchem Umfang die Ermittlungen den Wahlkampf in den verbleibenden Tagen beeinflussen werden, ist offen.
Entscheidend bleibt: Gegen Steffen Krach läuft ein Ermittlungsverfahren, eine strafrechtliche Schuld ist damit jedoch nicht festgestellt. Für den SPD-Politiker gilt die Unschuldsvermutung.





