
Die Geschichte amerikanischer Außenpolitik zeigt, wie gefährlich es wird, wenn strategische Interessen wichtiger sind als die Zukunft ganzer Gesellschaften. Bewaffnete Gruppen werden unterstützt, Regierungen gestürzt und zeitweise sogar mit Gegnern gemeinsame Ziele verfolgt. Die langfristigen Folgen tragen vor allem die Menschen in den betroffenen Ländern.
Afghanistan: Unterstützung mit weitreichenden Folgen
Während der sowjetischen Besatzung Afghanistans unterstützten die USA den bewaffneten Widerstand der Mudschaheddin mit Milliardenhilfen. Washington wollte damit seinen geopolitischen Rivalen schwächen. Afghanistan wurde zum Schauplatz eines Machtkampfes, dessen Folgen weit über den Kalten Krieg hinausreichten.
Allerdings wäre es historisch falsch, daraus eine direkte amerikanische Gründung der Taliban abzuleiten. Die Taliban entstanden erst in den 1990er-Jahren im Umfeld des anschließenden Bürgerkriegs. Die berechtigte Kritik lautet deshalb: Die Unterstützung bewaffneter Kräfte zur Durchsetzung kurzfristiger Interessen kann Entwicklungen begünstigen, die später kaum noch kontrollierbar sind.
Erst Zusammenarbeit, dann Feindschaft
Auch das Verhältnis zum Iran zeigt die Widersprüche dieser Politik. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 arbeiteten Washington und Teheran zeitweise zusammen, weil beide ein Interesse am Ende der Taliban-Herrschaft hatten. Iran unterstützte die Nordallianz und wirkte an der Bonner Afghanistan-Konferenz mit.
Schon 2002 bezeichnete Präsident George W. Bush den Iran als Teil der „Achse des Bösen“. Dieser Wechsel verdeutlicht, wie schnell begrenzte Zusammenarbeit wieder einer Politik der Konfrontation weichen kann. Er belegt jedoch keinen umfassenden Plan, bei dem Iran lediglich als amerikanisches Werkzeug gehandelt hätte.
Iran: Ein dokumentierter Eingriff in die politische Selbstbestimmung
Ein besonders deutliches Beispiel ist der Sturz des iranischen Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh im Jahr 1953. Die amerikanische Beteiligung ist in historischen US-Dokumenten festgehalten. Präsident Eisenhower beschrieb selbst die verdeckte Rolle der USA bei Mossadeghs Entmachtung und der Wiederherstellung der Macht des Schahs.
Wer Freiheit und Selbstbestimmung zum Maßstab seiner Außenpolitik erklärt, muss sich an solchen Eingriffen messen lassen. Andernfalls werden diese Begriffe zu politischen Versprechen, die nur gelten, solange sie den eigenen Interessen dienen.
Wie lange sollen die Menschen dafür bezahlen?
Das moralische Problem dieser Machtpolitik liegt darin, dass Entscheidungen über andere Länder häufig fern von den Menschen getroffen werden, die ihre Folgen ertragen müssen. Für die Bevölkerung geht es um Sicherheit, Familie und Zukunft – für die beteiligten Machtzentren um Einfluss und strategische Vorteile.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie viele Gesellschaften müssen noch unter einer Politik leiden, die kurzfristige Machtgewinne über langfristigen Frieden stellt?
Die Verantwortung der USA muss konkret benannt werden. Eine überzeugende Kritik braucht dafür keine unbelegten Behauptungen: Die dokumentierten Eingriffe und widersprüchlichen Bündnisse liefern bereits genügend Anlass, diese Politik grundlegend infrage zu stellen.





