
Genf / Teheran – Nach mehr als drei Stunden indirekter Gespräche in der Schweizer Stadt Genf gaben iranische Staatsmedien am Dienstag bekannt, dass sich der Iran und die Vereinigten Staaten auf eine Reihe „grundlegender Leitprinzipien“ für weitere Verhandlungen verständigt haben. Die Gespräche, die zwischen Vertretern beider Seiten mit Vermittlung des Sultanats Oman stattfanden, gelten als ein vorsichtiges Zeichen für einen möglichen Fortschritt in einem seit Jahren festgefahrenen Atomkonflikt.
Stellungnahme aus Teheran
Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte nach dem Abschluss der zweiten Verhandlungsrunde vor iranischen Staatsmedien, dass es gelungen sei, eine „breite Übereinkunft über grundlegende Leitprinzipien“ zu erzielen, auf deren Basis nun die Ausarbeitung konkreter Vertragsentwürfe beginnen solle. Er betonte jedoch ausdrücklich, dass diese Verständigung noch kein fertiges Abkommen darstellt und erhebliche Arbeit an den Details bevorstehe. Einen festen Termin für eine nächste Runde wurde demnach noch nicht festgelegt.
Araghchi beschrieb die Gespräche als „konstruktiver und ernster“ im Vergleich zur ersten Runde, die Anfang dieses Monats stattfand, und äußerte, dass die Atmosphäre eine Fortsetzung der Gespräche wahrscheinlich mache.
Inhaltliche Schwerpunkte und offene Fragen
Die Verhandlungen konzentrierten sich dem Vernehmen nach primär auf das iranische Nuklearprogramm und den möglichen schrittweisen Abbau von US-Sanktionen, die seit Jahren eine zentrale Belastung im Verhältnis zwischen Washington und Teheran darstellen. Während Iran signalisiert habe, bereit zu sein, über Einschränkungen seines Atomprogramms zu sprechen, bleibe die Frage der Sanktionen ein entscheidender Knackpunkt.
Andere politische und sicherheitspolitische Streitpunkte, etwa Irans Raketenprogramm oder seine Rolle in regionalen Konflikten, wurden in dieser Runde bewusst ausgeklammert, wie iranische Offizielle vor Beginn der Gespräche wiederholten.
Diplomatie in einem schwierigen Umfeld
Die Gespräche in Genf fanden vor dem Hintergrund erheblicher Spannungen statt. Sowohl auf diplomatischer Ebene als auch militärisch sind die Beziehungen zwischen Iran und den USA stark belastet:
- In den vergangenen Tagen warnten US-Vertreter öffentlich vor „Konsequenzen“, sollte es zu keiner Einigung kommen, und Präsident Donald Trump signalisierte indirekte Beteiligung an den Gesprächen.
- Gleichzeitig führte der Iran kurzzeitig militärische Übungen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus durch, einer ökonomisch sensiblen Route für globale Öltransporte, was zusätzliche Nervosität in Washington und bei internationalen Beobachtern erzeugte.
Beide Seiten betonten indes, dass sie die diplomatischen Kanäle offenhalten wollen, auch wenn der Weg zu einem umfassenden Abkommen noch lang und schwierig sei.
Bewertung und Ausblick
Analysten werten das Abkommen über Leitprinzipien als ersten Schritt in einem potenziell langen Verhandlungsprozess, nicht als unmittelbaren Durchbruch. Realistische Beobachter gehen davon aus, dass sowohl Washington als auch Teheran intern weitere Beratungen durchführen müssen, bevor konkrete Vertragsentwürfe ausgehandelt werden können.
Ein bevorstehender dritter Verhandlungszyklus könnte sich daher noch einige Wochen verzögern, da zunächst strategische Positionsbestimmungen beider Seiten in den Hauptstädten erwartet werden.




