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New York wird zum Zentrum der Weltpolitik – Erdogan, Trump, Iran und Selenskyj vor entscheidenden Gesprächen

NEW YORK – Die Vereinten Nationen werden in diesen Tagen erneut zum Zentrum der internationalen Diplomatie. Zur 81. UN-Generalversammlung reisen Staats- und Regierungschefs sowie Außenminister aus aller Welt nach New York. Kriege im Nahen Osten, der Ukraine-Konflikt, die Beziehungen zwischen den USA und Iran sowie offene Fragen zwischen Washington und Ankara dürften die Gespräche dominieren. Rund um die Generalversammlung sind zahlreiche bilaterale Treffen geplant.

Baerbock übergibt den Vorsitz – ein Jahr zwischen Reformanspruch und Kritik

Für die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock ist ihre Zeit an der Spitze der UN-Generalversammlung beendet. Sie hatte im September 2025 die Präsidentschaft der 80. Sitzungsperiode übernommen und gehörte damit zu den wenigen Frauen, die dieses Amt bislang innehatten. Ihre Schwerpunkte waren unter anderem eine Reform und effizientere Organisation der Vereinten Nationen, die UN80-Initiative, die Agenda 2030 sowie eine stärkere Einbindung von Zivilgesellschaft und jungen Menschen.

Am 8. September 2026 endete ihre einjährige Amtszeit. Baerbock übergab den symbolträchtigen Holzhammer der Generalversammlung an Khalilur Rahman, den Außenminister Bangladeschs und neuen Präsidenten der 81. UN-Generalversammlung.

Ihre Amtszeit verlief allerdings nicht ohne politische Kontroversen. Besonders kurz vor ihrem Ausscheiden geriet Baerbock zwischen die Fronten der Großmächte: Sowohl die USA als auch Russland kritisierten ihr Vorgehen beim Verfahren zur Auswahl des nächsten UN-Generalsekretärs. Vertreter beider Staaten warfen ihr vor, die Rolle der Generalversammlung gegenüber dem Sicherheitsrat zu weit auszulegen. Baerbock selbst stellte dagegen Reformen und eine stärkere Handlungsfähigkeit der UN in den Mittelpunkt.

Von einer Reihe objektiv belegter „Blamagen“ zu sprechen, wäre deshalb journalistisch zu weitgehend. Festhalten lässt sich aber: Baerbocks teilweise sehr direkte und öffentlichkeitsorientierte Art blieb auch in New York erkennbar und sorgte nicht nur für Zustimmung, sondern zeitweise auch für diplomatische Reibungen.

Erdogan mit großer Regierungsdelegation in New York

Besonders umfangreich ist die türkische Delegation. Präsident Recep Tayyip Erdogan ist gemeinsam mit seiner Ehefrau Emine Erdogan und mehreren Ministern in New York eingetroffen. Mitgereist sind unter anderem Außenminister Hakan Fidan, Finanzminister Mehmet Şimşek, Energieminister Alparslan Bayraktar, Industrie- und Technologieminister Mehmet Fatih Kacır sowie Handelsminister Ömer Bolat.

Nach seiner Ankunft am JFK-Flughafen fuhr Erdogan zum Türkevi, dem Türkischen Haus gegenüber dem UN-Komplex. Dort wurde er von einer Menschenmenge mit türkischen Fahnen und Jubel empfangen. Erdogan erklärte vor Journalisten, man wolle eine intensive UN-Generalversammlung absolvieren.

Politisch besonders wichtig dürfte sein angekündigtes Treffen mit US-Präsident Donald Trump werden. Der amerikanische Botschafter in der Türkei und Sondergesandte Tom Barrack hatte das Treffen bereits angekündigt.

Auf dem Tisch liegen mehrere strategische Streitfragen zwischen Washington und Ankara: die Zukunft der amerikanischen CAATSA-Sanktionen, die militärische Zusammenarbeit sowie die türkischen Interessen an amerikanischen F110-Triebwerken für das neue türkische Kampfflugzeug KAAN. Auch die seit Jahren belastete F-35-Frage bleibt Teil des größeren sicherheitspolitischen Verhältnisses zwischen beiden NATO-Staaten. Berichte über eine geplante Lieferung von F110-Triebwerken im Umfang von rund 750 Millionen Dollar zeigen zugleich, dass Washington und Ankara ihre Rüstungskooperation wieder ausbauen könnten.

Noch wichtiger könnte allerdings der Nahe Osten werden. Der Konflikt mit Iran, die Situation in Gaza, Syrien und die allgemeine Sicherheitsordnung der Region geben Erdogan und Trump genügend Gesprächsstoff. Ankara versucht dabei weiterhin, sich als eigenständige Regionalmacht und diplomatischer Akteur zwischen unterschiedlichen Lagern zu positionieren.

Iran in New York – kommt es zur direkten Begegnung mit Trump?

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die iranische Delegation. Die US-Regierung hat Präsident Masoud Pezeshkian und Außenminister Abbas Araghchi Visa für die Teilnahme an den UN-Treffen erteilt – trotz der massiven Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen zwischen Washington und Teheran. Gleichzeitig gelten für die iranische Delegation in New York erhebliche Bewegungs- und Einkaufsbeschränkungen.

Die entscheidende Frage lautet nun: Kommt es tatsächlich zu einer direkten Begegnung zwischen Trump und Pezeshkian?

Trump hat öffentlich signalisiert, dass er einem Treffen grundsätzlich offen gegenübersteht. Bestätigt ist ein solches Treffen bislang jedoch nicht.

Sollte es stattfinden, wären die Themen praktisch vorgegeben: eine mögliche Beendigung beziehungsweise Eindämmung der militärischen Konfrontation, Irans Atomprogramm, Sanktionen, die Sicherheit der Golfstaaten und die Lage an den strategisch wichtigen Seewegen. Trump will am Rande der UN-Generalversammlung zudem mit führenden Vertretern der Golfstaaten über die weitere Iran-Strategie sprechen.

Damit könnte New York zumindest ein diplomatisches Fenster öffnen. Ob daraus tatsächliche Verhandlungen entstehen, ist angesichts der weiterhin verhärteten Positionen beider Seiten allerdings offen.

Selenskyj und Trump: Ukraine-Krieg erneut auf höchster Ebene

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj richtet seinen Blick auf New York. Selenskyj und Trump haben ein persönliches Treffen während der UN-Generalversammlung vereinbart.

Dabei dürfte es um mögliche Wege zu einer Beendigung des inzwischen mehr als vier Jahre andauernden Krieges, Sicherheitsgarantien für die Ukraine, weitere militärische Unterstützung und die Frage direkter oder indirekter Verhandlungen mit Russland gehen.

Selenskyj spricht von einer neuen „diplomatischen Dynamik“. Gleichzeitig bleiben die entscheidenden Positionen zwischen Moskau und Kiew weit auseinander. Die Ukraine fordert weiterhin Sicherheitsgarantien und militärische Unterstützung, während Washington verstärkt versucht, Bewegung in mögliche Verhandlungen zu bringen.

Auch Angriffe auf Energieinfrastruktur dürften eine Rolle spielen. Trump hatte zuletzt Druck ausgeübt, Angriffe auf russische Raffinerien einzuschränken. Selenskyj wiederum hat signalisiert, dass die Ukraine zu einer gegenseitigen Einstellung von Angriffen auf Infrastruktur bereit wäre, sofern Russland ebenfalls entsprechende Verpflichtungen eingeht.

New York als diplomatischer Knotenpunkt

Damit treffen bei dieser UN-Generalversammlung mehrere der gefährlichsten internationalen Konfliktlinien praktisch gleichzeitig aufeinander.

Erdogan und Trump sprechen über die Zukunft der amerikanisch-türkischen Beziehungen und den Nahen Osten. Die iranische Führung reist trotz des Konflikts mit Washington nach New York. Trump lässt die Möglichkeit eines direkten Treffens mit Pezeshkian offen. Gleichzeitig versucht Selenskyj, die amerikanische Unterstützung zu sichern und neue Bewegung in die Ukraine-Diplomatie zu bringen.

Die 81. UN-Generalversammlung könnte deshalb weniger durch die großen Reden im Plenarsaal als durch das geprägt werden, was hinter verschlossenen Türen in den Hotels, Delegationsräumen und diplomatischen Vertretungen New Yorks verhandelt wird.

Ob daraus konkrete Vereinbarungen entstehen, ist offen. Doch für einige Tage laufen in New York nahezu alle großen geopolitischen Konfliktlinien der Gegenwart zusammen.

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